
Jugendliche
Jugendliche
Psychisch gesund zu sein bedeutet nicht, dass immer alles gut laufen muss. Stress, Streit, Unsicherheit und schwierige Phasen gehören zum Leben dazu. Entscheidend ist, wie du damit umgehst und ob du merkst, wenn etwas anfängt, dir nicht mehr gutzutun.
Auch dein Umgang mit Essen und deinem Körper kann etwas darüber erzählen, wie es dir gerade geht. Vielleicht beschäftigt dich dein Aussehen immer mehr. Du vergleichst dich häufig mit anderen, machst dir viele Gedanken über dein Gewicht oder darüber, was und wie viel du isst. Vielleicht lässt du Mahlzeiten aus, hast Angst zuzunehmen oder Essen löst bei dir Schuldgefühle aus.
Solche Gedanken können vorkommen. Wenn sie aber immer mehr Raum einnehmen und deinen Alltag bestimmen, kann das ein Zeichen dafür sein, genauer hinzuschauen. Auch wenn du dich immer mehr in deine eigene Welt zurückziehst, dich wie abgetrennt von deiner Außenwelt fühlst und dein Gewicht darüber entscheidet, wie dein Tag wird, kann das ein Hinweis darauf sein, dass dich das Thema zunehmend belastet. Essstörungen beginnen nicht erst bei einem bestimmten Gewicht. Und man kann einem Menschen auch nicht unbedingt ansehen, dass es ihm mit dem Thema Essen oder seinem Körper nicht gut geht. Dennoch können auch körperliche Signale darauf hinweisen, dass etwas nicht stimmt. Häufige Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Konzentrationsprobleme oder Kreislaufbeschwerden können zum Beispiel ein Zeichen dafür sein, dass der Körper gerade nicht ausreichend versorgt wird oder etwas anderes belastet
Umso wichtiger ist es, auf dich und deine Gefühle zu achten. Frag dich zwischendurch: Wie geht es mir gerade eigentlich? Was beschäftigt mich? Was brauche ich? Manchmal hilft es schon, sich einzugestehen: „Das setzt mich gerade unter Druck“ oder „Ich komme damit allein nicht gut klar.“ Auch Menschen um dich herum können dir guttun. Dabei geht es nicht um viele Follower oder Likes, sondern um Menschen, bei denen du ehrlich sein kannst und dich verstanden fühlst. Mit ihnen kannst du auch über Dinge sprechen, die dich belasten oder über die du vielleicht noch nie gesprochen hast.
Mit jemandem zu reden ist kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil: Es zeigt, dass du dich um dich selbst kümmerst. Das kann eine Person sein, der du vertraust, eine Beratungsstelle oder eine andere professionelle Anlaufstelle. Du musst nicht erst warten, bis es „schlimm genug“ ist, um dir Hilfe zu holen.


Wie entstehen Essstörungen?
Essstörungen entstehen nicht einfach „so“. Dahinter steckt oft ein tiefer seelischer Schmerz, den man von außen gar nicht sofort sieht.
Gründe
Belastende Gefühle
Essstörungen entstehen nicht grundlos. Hinter ihnen stehen oft belastende Gefühle wie Unsicherheit, Überforderung, Angst oder Einsamkeit. Auch belastende oder traumatische Erfahrungen können eine Rolle spielen, zum Beispiel der Verlust einer wichtigen Bezugsperson.
Gründe
Sozialer Druck
Auch der gesellschaftliche Druck hat einen großen Einfluss. Vielleicht kennst du das auch: Auf Social Media sieht alles perfekt aus – perfekte Körper, perfektes Leben. Aber diese Bilder sind meistens nicht real. Trotzdem vergleicht man sich und hat schnell das Gefühl, nicht gut genug zu sein.
gründe
Kommentare
Abwertende Kommentare über Aussehen oder Gewicht können zusätzlich verletzen und das Selbstbild nachhaltig prägen. Wenn dann noch Probleme im familiären Umfeld dazukommen oder das Gefühl entsteht, nicht verstanden zu werden, verstärkt sich die innere Belastung oft weiter.

In solchen Situationen kann das Essverhalten zu einem „unglücklichen“ Lösungsversuch werden, mit belastenden Gefühlen und Gedanken umzugehen. Manche Jugendliche essen mehr, andere weniger oder erbrechen sich, um für einen Moment Erleichterung oder ein Gefühl von Kontrolle zu spüren. Doch dieses Gefühl hält nicht lange an – danach wird alles oft noch schwerer. Die Probleme können sich verstärken und auch körperlich und seelisch ernsthafte Folgen haben. Die eigentlichen Themen werden auf das Essen übertragen: Manche essen zu viel oder zu wenig, obwohl es eigentlich um etwas anderes geht.
Deshalb ist es wichtig zu verstehen: Essstörungen sind ernsthafte psychische Erkrankungen und keine bloße Phase oder Diät. Sie verdienen Aufmerksamkeit, Verständnis und professionelle Unterstützung. Je früher Hilfe in Anspruch genommen wird, desto größer ist die Chance, wieder ein Leben ohne Essstörung führen zu können .
Wie erkennst du eine Essstörung?
Eine Essstörung zu erkennen ist gar nicht immer so leicht. Deshalb ist es wichtig, auf typische Anzeichen zu achten – bei dir selbst oder bei anderen. Je früher wir merken, dass etwas nicht stimmt, desto besser können wir etwas dagegen tun.
Hast du manchmal das Gefühl, dein Verhältnis zum Essen ist nicht „normal"? Hast du Angst an einer Essstörung zu leiden?
Kommt dir das bekannt vor?
Trifft einer oder mehrere Punkte auf dich zu?
Dann sprich auf jeden Fall mit jemanden, dem du vertraust. Das kann eine Freundin, ein Freund sein, ein Elternteil oder eine andere Person, bei der du dich sicher fühlst. Bleib mit deinen Gedanken, Ängsten, Nöten nicht alleine!

Video
mit Dr. Carmen Blaschke, Chefärztin der Abteilung Psychosomatische Medizin in der Helios Marien Klinik Duisburg
und
mit Prof. Dr. Georgios Paslakis, Klinikleiter der LWL-Universitätsklinik für Psychosomatik Bochum
Hier findest du Hilfe und Unterstützung:
Kinder- und Hausarztpraxen
Ein Termin bei deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt kann ein guter erster Schritt sein. Oft kennen sie dich und deine Familie schon länger. Das macht es leichter, über das zu sprechen, was dich belastet.
Gemeinsam könnt ihr schauen, welche Hilfe du brauchst. Deine Ärztin oder dein Arzt sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Und sie wollen, dass es dir besser geht. Nutze ihr Wissen für deine Gesundheit.
Schule
Auch in der Schule gibt es Menschen, die ein offenes Ohr haben und bei Schwierigkeiten weiterhelfen können. Das kann eine Schulsozialarbeiterin sein, ein Beratungs- oder Klassenlehrer. Überlege, wer deine Wunschgesprächspartnerin oder dein Wunschgesprächspartner in so einer Situation wäre. Wem vertraust du? Zu wem hast du einen guten Draht?
Beratung
In vielen Städten gibt es Beratungsstellen für Essstörungen. Wenn du keine solche Stelle findest, können dir auch Sucht-, Erziehungs- oder Mädchen- und Frauenberatungsstellen weiterhelfen. Beratungsstellen gibt es in jeder Stadt. Oft sind sie auf bestimmte Themen spezialisiert. Die Mitarbeiter*innen dort hören zu, schätzen die Probleme ein und informieren über weitere Hilfsangebote – selbstverständlich vertraulich und auf Wunsch auch auch anonym.
Wenn es dir schwerfällt, persönlich zu einer Beratungsstelle zu gehen, kannst du auch eine telefonische Beratung nutzen. Dort kannst du über das sprechen, was dich belastet, Fragen stellen und gemeinsam überlegen, welche weitere Unterstützung für dich sinnvoll sein kann. Auch online gibt es professionelle Beratungsangebote, bei denen du dich per Chat oder Nachricht an Fachkräfte wenden kannst. Das kann besonders hilfreich sein, wenn dir ein persönliches oder telefonisches Gespräch zunächst schwerfällt. Auch hier kannst du dich über mögliche Hilfen informieren und herausfinden, welche Unterstützung zu dir und deiner Situation passt.
Jugendamt
Das Jugendamt kann dich unterstützen, wenn du zu Hause oder in deinem familiären Umfeld Probleme hast, die dich stark belasten. Dort kannst du dich beraten lassen und gemeinsam schauen, welche Unterstützung für dich und deine Familie sinnvoll sein kann. Auch wenn du nicht genau weißt, welche Hilfe du brauchst, kannst du dich an das Jugendamt wenden.
Wichtig! Jugendliche haben das gesetzliche Recht, sich auch ohne das Wissen ihrer Eltern bei einer Beratungsstelle oder beim Jugendamt kostenlos und vertraulich beraten zu lassen.
Ambulante Psychotherapie
Psychotherapie kann bei Essstörungen helfen, die aktuellen Beschwerden Schritt für Schritt zu verändern und besser zu verstehen, woher die Essstörung kommt. Dabei geht es nicht nur um das Essverhalten, sondern auch um Gefühle, Gedanken, Selbstwert und belastende Situationen. Wichtig ist, dass du dich bei deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten wohl und ernst genommen fühlst. Vertrauen entsteht manchmal erst nach und nach. Deshalb musst du auch nicht sofort über alles sprechen. Gemeinsam könnt ihr herausfinden, was dir guttut und welche Unterstützung du brauchst. Psychotherapie ist ein wichtiger Teil der Behandlung von Essstörungen.
Klinik
Ein Klinikaufenthalt kann sinnvoll oder notwendig sein, wenn die Erkrankung so schwer ausgeprägt ist, dass eine ambulante oder teilstationäre Behandlung nicht ausreicht oder die körperliche beziehungsweise psychische Gesundheit akut gefährdet ist. Die Entscheidung sollte immer gemeinsam mit ärztlichen oder psychotherapeutischen Fachkräften getroffen werden, die dich und deine Situation gut einschätzen können.

Wenn du weitere Informationen über Essstörungen benötigst, kannst du kostenlos das Infotelefon des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit nutzen. Hier kannst du mit erfahrenen Berater*innen sprechen, die dich unterstützen.
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG)
(Anonymes) BIÖG-Infotelefon zu Essstörungen: 0221 892031
Montag – Donnerstag: 10:00 – 22:00 Uhr
Donnerstag – Sonntag: 10:00 – 18:00 Uhr
Vielleicht könnte auch das Angebot der „Nummer gegen Kummer“ etwas für dich sein. Auch hier erfährst du von erfahrenen Berater*innen Hilfe bei allen Themen, die dir Sorgen machen: Mobbing, Angst, Essstörungen, Depression, …
Montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr kannst du dich unter der kostenlosen Rufnummer 116 111 melden. Das gilt für Anrufe aus Deutschland.
Beratungsstelle Waage e.V., Hamburg
Auch InCogito bietet Chat-Beratung und Online-Gesprächsgruppen an.
In den angeleiteten Gesprächsgruppen rund um das Thema Körper, Essen, Selbstbild kannst du dich online mit Menschen, denen es ähnlich geht wie dir, treffen.
Unterstützung bei der Suche nach einer Arzt- oder Psychtherapiepraxis findest du unter: 116117.de - Psychotherapie
Übersicht von Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie: Klinikfinder

Kreativität bietet eine gute Möglichkeit, den eigenen Gefühlen und Gedanken Ausdruck zu verleihen – besonders dann, wenn es schwerfällt, das Erlebte in Worte zu fassen. Egal ob durch Malen, Schreiben oder Musik: Das Gestalten hilft dir dabei, die eigene Innenwelt für dich selbst und für andere sichtbar zu machen. Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Klang meines Körpers“, dessen Beiträge von Jugendlichen auch heute noch viele Menschen bewegen. Gerade bei der Bewältigung einer Essstörung kann die kreative Arbeit eine therapeutische Behandlung sinnvoll unterstützen. Wenn im Gespräch mit Therapeut*innen die passenden Worte fehlen, kannst du dich durch deine Werke mitteilen. Es kann daher ein hilfreicher Schritt sein, zum nächsten Therapiegespräch ein Bild, ein Lied oder einen Text mitzubringen, der die aktuelle Stimmung widerspiegelt oder dir einfach gut tut. Kreative Ideen und Werke findest du hier: